Vielleicht hätte ich auch Landwirtin werden können oder Bänkerin aber das Leben hat die Fäden von Anfang an anders gewebt. Mein Lebensweg funktionierte nicht beim darüber nachdenken was das Beste sein könnte. Sondern es hat mich „reingezogen“ in mich und mein Leben durch Dinge die mich interessierten, die mir Freude machten, durch schwere und leichte Geschichten, durch Begegnung mit Menschen die auch, so wie du und ich, auf diesem wunderbaren blauen Planet leben. Mein innerer „Motor“ der mich immer weiter hat suchen lassen nach etwas von dem ich nicht mal wusste was es ist, habe ich viel zu verdanken, aber ehrlich- es gab auch Situationen in denen ich das echt anstrengend fand und in denen ich dachte warum ich nicht einfach mit dem zufrieden sein könnte wie es scheint. Aber natürlich ist es in meinem Leben auch so wie in Deinem- das Leben ist lebendig und voller Magie. Ich bin in einem Dorf in Süddeutschland geboren und liebte Kühe und die Erbsen roh aus dem Garten zu pflücken, tunlichst darauf bedacht, dass die Mama mich nicht dabei aus dem Küchenfenster beobachten konnte.

DIE KINDHEIT AUF DEM HOF

Mein Blick heftet sich an die vorbeiziehende Landschaft und frage mich ob das was ich sehe die ganze Realität ist ? Ich wusste es gibt noch mehr- was kann das sein? Eine halbe Stunde dauerte die Busfahrt von unserem Dorf zur nächsten weiterführenden Schule. Jeden Morgen und jeden Nachmittag, viele Jahre lang. In der Regel hatte ich meine Hausaufgaben und war vorbereitet. Aber nicht frei von Ängsten, ob ich wohl gut genug sei? Aber das ist ein anderes Thema. Ich kenne mich selbst immer nur in dem Gefühl, dass nur ein Teil des Ganzen sichtbar ist. Dass ein großer Teil verborgen ist. Was für ein Teil von was? Ich wusste es ist etwas jenseits von Worten.

Mittags flog die Schultasche in die Ecke und es roch nach Essen. Es erwartete mich und meine Geschwister täglich ein Mittagessen aus Lebensmittel die wir selbst am Hof hatten. An manchen Tagen erwartete uns auch eine Mitarbeit auf dem Feld. Liebevoll wurden die Arbeiten an die Möglichkeiten von uns angepasst. Das Wiederkehren der Jahreszeiten und die verlässliche Struktur bot sehr viel Sicherheit. Mein SEIN spürte in dieser Kindheit etwas von diesen, nicht verlorenen aber verborgenen Teile. Es wurde nicht darüber geredet, aber meine Eltern waren in einer Weise mit etwas verbunden, das nicht sichtbar war.

DIE ALTE FRAU IN DER NACHBARSCHAFT

Ich war grade 10 Jahre alt. Meine Geschwister und ich spielten lange Abende draußen und sammelten Maikäfer in einer Schuhschachtel in die wir Atmungslöcher stachen und Laub hineingaben. Oder wir kochten Grassuppe. Da rief die alte Frau, die meist schwarz gekleidet war und auf dem Hof neben unserem wohnte. „ja du“ sagte sie. „komm doch mal rüber“. Sie wirkte immer freundlich aber sehr zurückgezogen und sie schien für mich schon sehr alt. Sie gab mir ein Buch mit dem Titel: Engel. Dies war das einzige Geschenk, das sie jemals jemandem von uns gemacht hat. Es waren Geschichten, wie Engel auf wundersame Weise Menschen geholfen haben. Ich habe es geliebt.

DIE GROßMUTTER

Meine Großmutter starb als ich auf Klassenfahrt war. Ich war 14 und meine Welt hat eine große Delle bekommen. Wir haben mit ihr zusammen gewohnt. Nicht alle konnten mit ihrer Art gut umgehen. Sie war eine Kriegsbauersfrau mit riesiger Verantwortung für Kind und Hof und wahrscheinlich traumatisiert wie viele ihrer Generation. Meine Liebe für sie ist groß. Ich habe in ihr ihren Schmerz um die verborgenen magischen Teile des Lebens erkannt und mich mit ihr verbunden. Wir haben nicht viel geredet. Ich mochte gerne in ihrer Nähe sein und doch war ihre Nähe auch wieder anstrengend. Etwas Elementares hat uns verbunden und mich auf meiner Suche bestärkt. Wortlos. Nachdem sie gegangen war saß ich viel unter dem Apfelbaum hinter dem Haus mit dem ich befreundet war. Mit einem Baum? Ja, ohne dass ich das damals hätte benennen können, irgendwie funktionierte eine Art von Kommunikation und Trost.

MEIN ERSTER FREUND und WIEDER DER KONTAKT MIT DER ANDEREN SEITE

Ich war 15 und zum ersten Mal verliebt. Er war 18 und spielte begnadet Gitarre. Er inspirierte mich mir eine Gitarre zu kaufen. Das Talent für die Musik war aber ganz bei ihm. Bis zu dem Tag an dem die Nachricht kam, dass er einen Unfall hatte und auf die andere Seite ging. In gefühlt unendlichen Nächten haben seine Freunde und ich versucht Antworten zu finden, die Welten zu erkunden und die Vorhänge, die diese Welten trennen. Was sind wir als Menschen? Was bleibt ? Was haben wir jetzt zur Verfügung dieses Leben zu leben? Fragen über Fragen.

JUGENDLICHE UND IHRE WUNDERSAME METAMORPHOSE

Die Arbeit mit „schwierigen Kindern und Jugendlichen“- so wurde das damals noch benannt – mit Kindern, die nicht so ganz perfekt in die vorgefertigten Schubladen passten, hat mich angezogen. Denn die Kinder reagierten auch auf eine innere Leere. Ich spürte, dass auch sie etwas vermissen von dem sie nicht wissen dass es existiert. So wie ich auch. Bis heute ist es so, dass mein Herz weit wird wenn ich mit Jugendlichen zusammen bin. Ich liebe die unendlichen Möglichkeiten die sie haben. Ihre Neugier auf das Leben und ihren Mut diese Welt zu entdecken. Ja, ich weiß derzeit sind viele junge Menschen in Wolken von Angst, aber das ist ein anderes Thema.

MAMA SEIN

Es gibt den Ausdruck, dass wir als Mutter die Kinder an der Schwelle „abholen“. Eine Geburt gehört zu den magischen Grenzerfahrungen. So war es auch bei den Geburten meiner drei Kinder. Diese Kinder sind ein großartiges Geschenk in meinem Leben. Durch die Herzensverbindung und durch die energetische Verbindung, konnte ich hineinwachsen in die Wahrnehmung was uns Menschen noch ausmacht. Dies bei sich selbst zu spüren ist eine Sache, es bei anderen nahestehenden Menschen wahrzunehmen oft nicht einfach, Kinder jedoch machen es uns leicht. Aus ihren Augen und ihrem Ausdruck spüren wir, die Welt hinter dem Sichtbaren. Meine Kinder sind meine größten Lehrer und mein Herz voll Liebe zu diesen drei wunderbaren Menschen.

DIE ERSTEN YOGASTUNDEN

Kennst du das, dass du etwas machst ohne mit dem Verstand genau zu wissen was dich dazu bewegt? Aber etwas in dir weiß, es ist genau jetzt richtig und wichtig? So war es als ich vor nahezu 30 Jahren an den Bodensee gezogen bin und mich direkt in einem Yogakurs angemeldet habe. Ich kannte Yoga davor nicht und hatte auch kein Buch darüber gelesen. Es schien einfach von innen heraus RICHTIG. Was soll ich sagen, schon in der ersten Stunde dachte ich wie schön muss es sein Yogastunden anzuleiten. Etwas in mir hat sofort angedockt. Ich wollte finden was ich vermisste und habe Yogabücher verschlungen. Ich begegnete wunderbaren Menschen von denen ich lernen durfte.

auf der Suche

MEINE YOGALEHRER IN IBIZA

Zum Sonnenaufgang aufstehen, Yoga mit dem Blick auf die Landschaft, der Geruch der Kräuter, das Krähen eines Hahnes und das getönte A U M aus den Tiefen unseres Seins. Jedes Jahr aufs Neue gehörte das Retreat auf Ibiza zu meinem Leben. Die Gemeinschaft, unsere Lehrer, die mit uns Yoga wirklich lebten wurde zur Familie. Die Eindrücke sind lebendig als wäre ich dort: es riecht bereits nach Mittagessen, ich gehe durch den Garten zur Pranayamklasse. Jede Info wollte ich mitschreiben, alles wollte ich aufsaugen, und doch, das was es ausmachte war die Erfahrung. Das Üben auf der Matte, die Gespräche, das Singen von Mantra, die Meditationen, die Atempraxis, das gemeinsame Essen- mein ganzes SEIN fühlt sich genährt.

zur Pranayamaklasse durch den Garten
der Baum

IST YOGA EIN WUNDERMITTEL ? GIBT ES EIN ANKOMMEN?

Mit Yoga kann mir nichts im Leben wirklich etwas anhaben- dachte ich- aber das Leben lehrte mich ein Anderes. In meinem Leben gab es auch Wandel, Veränderung, Trauer und Schmerz und das hat weh getan. Immer wieder musste ich Menschen verabschieden, die ihren Körper verlassen haben. Und doch- konnte ich mich immer sehr gut wieder „häuten“ und irgendwie neu, zumindest „anders“ weitergehen. Ich glaube nicht, dass wir Schmerz brauchen um uns zu entwickeln, ich glaube, dass Entwicklung vielfach initiiert wird durch die Lebensreise, aber- vielleicht kennst du das auch- manchmal ist es so. Die Praxis von Yoga hat mir eine Art innerer Stabilität zugänglich gemacht, die mir ermöglicht hat sehr leicht wieder aufzustehen. Wie ein innerer doppelter Boden- der auch bleibt – sogar im freien Fall.

YOGAMATTE- LERNEN – YOGAMATTE – LERNEN

Ich liebte es auf Yogaseminare zu gehen. Mit Menschen über diese Dinge zu reden und gemeinsam zu praktizieren. Zu lernen und meine Vorstellungskraft zu erweitern was das Leben als Mensch sein könnte- außer dem was wir überall sehen und sonst so anstreben. Ein gemeinsamer Nenner, überall wo ich mit Menschen zusammen Yoga gelernt und praktiziert habe, ist die Anerkennung einer nicht sichtbaren, nicht greifbaren und nicht messbaren Realität. Ähnlich vorstellbar wie die verborgenen Teile eines Eisbergs. Die Anerkennung dessen, dass wir Menschen mehr sind als das was wir greifen, sehen und bewerten können. Und dessen Existenz sogar so wertvoll und elementar ist, dass es viele Tools gibt und viel Zeit investiert wird um auch aus dieser Realität zu leben.

Magie mitten im Alltäglichen

SCHAMANISCHE WELTSICHT

Die Welt hinter den sichtbaren und messbaren Dingen ist ein ganzes Universum. Und auf der ganzen Welt widmen sich unendlich viele Menschen dieser Magie mitten im Alltäglichen. Als ich das realisiert habe, war und bin ich so unendlich dankbar, dass ich damals in meiner Kindheit und Jugend nicht damit zufrieden war mit dem was ich mit meinen physischen Augen gesehen habe. Dass ich diesen inneren Motor habe, der mich immer weiter gehen lässt. So treffe ich wunderbare Menschen die mir eine schamanische Weltsicht nahebringen. Ich lerne über Bäume, Pflanzen, Naturspiritualität und fühle mich verbunden mit der Natur und den Spirits. Mein Apfelbäumchen hatte damals schon die Verbindung gewebt.

HEUTE

Viele unsichtbare Fäden haben sich von Anfang an gewebt und ich bin gespannt wohin sie sich weiter weben. Denn die Reise ist noch nicht zu Ende. Seit vielen Jahren unterrichte ich Yoga offline und online und liebe es immer noch. Es gibt immer weitere Türen und spannende Einsichten und Erfahrungen. Denn kommen wir jemals an? Mein Fazit aus meiner jetzigen Sicht ist, wir waren von Anfang an angekommen. Wenn du das Gefühl hast dass etwas fehlt dann wünsche ich dir, dass du nach innen schaust anstatt nach außen. Denn dort ist dein ganzes Universum und die Liebe für das Leben, auch mitten im Unperfekten. Das Leben drückt sich durch DICH auf eine einzigartige Weise aus. Und wenn du als dieses absolut perfekte Puzzleteil nicht da wärst wäre das Ganze kein Ganzes.

HERZLICHST MARIETTA