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Dieser Blogartikel entsteht als Antwort zum Aufruf einer Blogparade meiner lieben Kollegin Miliza Ceh. : https://yoga40plus.com/de/blogparade-yoga/ Und ich freue mich sehr dafür einen Beitrag zu geben. Ich selbst liebe es an Yogastunden teilzunehmen, vor Ort und auch Online. Und ich liebe es Yoga zu unterrichten und anzuleiten. Meine Praxis auf der Yogamatte und auch mein Yoga Anleiten verändert sich mit jedem Moment. So wie alles im Fluss ist und sich bewegt. Einen Ausschnitt davon, was mir heute daran wertvoll und wichtig ist, findest du hier.

DIE ANLEITUNG

„Das Bein im rechten Winkel, mit Einatmung und mit dem Fokus auf den Nabel heben während die Schultern relaxed am Boden bleiben und das Gesicht entspannt ist……….puh……. Was zuerst ? Und wie war das nochmal? Wenn die Teilnehmenden mitdenken müssen und eine innere To-do- Liste anlegen ist der Stress vorprogrammiert. Ein entspannter Yogaunterricht bringt die Anleitung in Schritten. Ein Schritt nach dem anderen und lässt Freiraum eine Ansage umzusetzen und bewusst wahrzunehmen. Oder ein Beispiel aus der Rückenlage: „hebe deinen Arm nach oben“ Da ergibt sich sehr viel Spielraum wie die Arme in dieser Haltung in der Gruppe sind. Manche sind senkrecht, manche neben dem Kopf. Wir dürfen daher in der Gruppe die Lagebezeichnungen erst mal definieren oder präziser beschreiben. Eine kleinschrittige, klare und schlüssige Anleitung gibt mir als Teilnehmerin Sicherheit.

Ist das nicht im realen Leben auch so? Wie oft erwarten wir etwas von jemandem und drücken uns unklar aus? Unser Gegenüber versteht dabei vielleicht etwas ganz anderes? Und fühlt sich vielleicht sogar schlecht und nicht gut genug? Ich liebe es wenn ich in einer Yogastunde mich an die Worte „hängen“ kann ohne zu überlegen was damit gemeint sein könnte.

DIE FREUNDLICHE UND WILLKOMMEN HEIßENDE ATMOSPHÄRE

Manchmal beschränken wir uns in unserem Alltagsbewußtsein auf unseren Verstand und unseren Körper. Wenn ich in einer gelungenen Yogastunde bin, öffne ich mich für das Erleben einer Wahrnehmung größerer Spannweite. Dafür brauche ich ein Gefühl von Sicherheit, Wohlwollen und Freundlichkeit. Ich brauche dafür eine Atmosphäre von Willkommen. Es fängt damit an, daß der Raum warm, wohlig und gut gelüftet ist. Oder vielleicht bin ich auch – wie im online Unterricht- in meinem eigenen Raum. Das Online Yoga Praktizieren hat – neben Nachteilen – auch sehr viele Vorteile. Unter Anderem bringe ich den Zustand von ausgedehnter Wahrnehmung und Sicherheit aus mir selbst heraus in meine eigenen Räume und habe sie dadurch leichter zur Verfügung.

In beiden Situationen, vor Ort oder Online schafft es mir eine wohlige Grundstimmung wenn ich begrüßt und gesehen werde. Das Wahrgenommen und gesehen werden ist ein Grundbedürfnis von uns Menschen und unterstützt das Vertrauen in das menschliche Sein, das uns nicht immer selbstverständlich zur Verfügung steht und wir mit Yoga unter Anderem anstreben.

DER VERLÄSSLICHE RAHMEN

Eine Willkommensatmosphäre habe ich natürlich auch in einem guten Restaurant. Auch da werde ich freundlich begrüßt und gesehen. Das heißt hier in der Yogastunde brauche ich noch einen klaren Rahmen, der, das was hier stattfinden soll auch tatsächlich einlädt. Was soll hier stattfinden? Wenn wir davon ausgehen, dass in der Gleichzeitigkeit von Körperbewegungen und – Haltungen, der mentalen und emotionalen Ausrichtung und dem Fluss des Atems eine Situation geschaffen wird, in der wir Zugang haben zu dem was wir Menschen – neben Verstand und Körper – noch sind. Das heißt ein Framing, geprägt von Konzentration, Ruhe und Klarheit gibt Raum für das was geschehen soll.

DIE YOGALEHRERIN ODER DER YOGALEHRER KENNT DEN WEG

Lass mich hier von der Teilnehmerin zur Yogalehrerinnen- Perspektive wechseln. Vor ca 30 Jahren, in meinen Anfängen des Unterrichtens habe ich manchmal etwas aus Büchern entnommen, das mir sehr klug vorkam und in die Gruppe getragen. Was soll ich sagen ? Es ist quasi immer verunglückt. Das zeigt sich in Fragezeichen in den Augen der Teilnehmenden und in Unsicherheit in der Bewegung. Sehr bald habe ich verstanden, dass Yogaunterricht etwas anderes ist, als Wissensvermittlung. Es ist eine Reise. Und wir spüren ob die Person die anleitet den Weg kennt und weiß wo die Reise hinführen kann. Wenn ich mich vertrauensvoll auf der Yogamatte anleiten lasse, was ich übrigens liebe und immer bei mir einbaue, verlasse ich mich darauf, dass die Anleitung praktischen Erfahrungshintergrund hat. Das gibt mir die Sicherheit und das Vertrauen mich selbst zu erfahren. Genießen wir das nicht auch außerhalb der Yogamatte, wenn jemand aus realer Erfahrung spricht und nicht nur etwas zusammenbastelt um gut da zu stehen?

DIE ÜBUNGEN

sind, je nach Yoga Stil unterschiedlich und in unterschiedlichem Tempo. Eine Vinyasa Flow Stunde sieht ganz anders aus als eine Hatha Yoga oder eine Ashtanga Yoga Einheit. Eine gute Yogastunde macht für mich aus, wenn neue Teilnehmende abgeholt werden und transparent wird was in der Yogastunde zu erwarten ist. Gleichwohl darf ich mich als Teilnehmerin überraschen lassen zu welcher Bewegung ich als nächstes eingeladen werde. Wie großartig wenn ich nicht nur in meinen gewohnten Bewegungsmuster bleiben muss, sondern neue Welten entdecke. Neue Bewegungsmuster können auch unsere gewohnten Denk- und Gefühlsfarben erweitern. Wenn ich diesen Regler in das andere Extrem verschiebe haben wir die Situation, dass Teilnehmende in Übungen angeleitet werden, die ihrem Körper, ohne die nötige Vorbereitung, oder sogar anatomisch, nicht möglich sind. Ein guter Yogaunterricht, vollkommen unabhängig vom Yogastil, sieht die Menschen und ihre Möglichkeiten und schafft eine erweiternde und doch physiologisch sinnvolle Übungsvielfalt. Da in einer Gruppe unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Möglichkeiten zusammen sind, bedeutet dies, dass eine Vielfalt an Varianten angeboten werden darf. Für mich als Yogalehrerin bedeutet dies, dass ich Varianten anbiete, die trotzdem das Wesen des jeweiligen asanas beinhalten, was nicht immer ganz leicht ist. Für mich selbst als Teilnehmerin hoffe ich, dass die Yogalehrer/in sieht wenn ich mir eine unpassende Variante vom Variantenbüffet aussuche und mit – entweder verbaler- oder körperlichen Adjustments reagiert.

Es braucht hier ganz viel Vertrauen von allen Seiten, so wie immer wenn Menschen sich begegnen und gemeinsam etwas tun. Vertrauen, Neugierde und Kommunikation.

DIE GRUPPE

Eine Gruppe von Menschen ist immer mehr als die Summe ihrer Teilnehmer/innen. Eine Gruppe kann die pure Unterstützung sein und Rückenwind bieten oder auch das Gegenteil. Es liegt in der Verantwortung von allen Teilnehmenden, dass sie zum Einen selbst eine Unterstützung und Rückenwind für andere sind und aber auch die Verantwortung ob die Gruppe sich unterstützend und inspirierend anfühlt. Ich weiß nicht wie viele Yogastunden ich in 30 Jahren unterrichtet habe und an wie vielen ich teilgenommen habe. Aber eines weiß ich sicher, dass – bis auf wenige Ausnahmen – für jede einzelne teilnehmende Person sich ein Raum bildet, in dem wir uns gegenseitig unterstützen und ermutigen. Ohne Worte ! Einfach weil wir zusammen sind in dieser Ausrichtung, dieser Absicht und in dieser Präsenz. In einer Yogastunde dringt die Wesentlichkeit durch, die wir letztlich alle sind und wenn wir uns in dieser Wesentlichkeit begegnen ist es für uns alle Magie des Augenblicks. Ich erlebe das sogar in den online Yogastunden. Es macht ein riesen Unterschied wenn ich eine Stunde aufnehme oder wenn die Gruppe da ist.

DAS WAHRGENOMMENE

ist so unendlich vielseitig wie es unterschiedliche Menschen gibt. Wenn ich in einer Yogaklasse bin, in der ich klar vorgegeben bekomme was und wie ich in den asanas wahrnehmen soll, bin ich als Teilnehmerin im besten Falle inspiriert, oder, entweder eingeschränkt oder überfordert, wenn ich anders oder gar nicht wahrnehme. So macht meines Erachtens ein guter Yogaunterricht aus, wenn ich zwar eingeladen werde was ich denn wahrnehmen könnte (zum Beispiel die gedrehte Wirbelsäule im Drehsitz) aber nicht wie es sich für mich anfühlen soll. Ich genieße es wenn ich hier die ganze Freiheit habe. Genießen wir diesen Freiraum nicht alle im täglichen Leben, außerhalb der Yogamatte? Wo lassen wir unseren Mitmenschen den Raum die Dinge auf ihre eigene Weise wahrzunehmen und wo wollen wir Recht haben?

YOGA IST EINE EINLADUNG

Yoga ist eine Einladung uns wieder daran zu erinnern, dass wir mehr sind als Verstand und Körper. Und dass wir alle mehr sind als das. Und wenn es uns gelingt diese inneren Türen zu öffnen für die anderen Möglichkeiten des Verständnisses und der Wahrnehmung dessen was Leben sein könnte, dann können wir uns gegenseitig darin inspirieren.

Ich liebe es Yoga zu praktizieren und Yoga zu unterrichten. Und vor allem liebe ich inzwischen die Verbindung zum Alltäglichen. Vor vielen Jahren habe ich das getrennt. Heute weiß ich, dass es immer nur die eine Marietta gibt und die bin ich auf der Matte und außerhalb der Matte. Und ich weiß auch, dass wir Menschen alle ähnliche Themen haben und dass wir alle dieselbe Reise machen wollen. In Erfüllung und Glück.

Und wie wertvoll es ist in Gemeinschaft zu sein und doch im eigenen Sein. Und auch das ist heute gleichzeitig möglich.

herzlichst Marietta